Die Idee: eine Brücke bauen
In der alttürkischen Mythologie steht „kara kaya“, der dunkle Fels, sinnbildlich für den Hohen Altai und für die Wurzeln der Vorfahren. „ak bulut“, die helle Wolke, bezeichnet das Prinzip der Flügel, des Windes, des weiten blauen Himmels.
“Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.”
Dieses Goethe zugeschriebene Zitat als Synonym zu „kara kaya, ak bulut“ umschreibt die grundlegende Idee dieses Workshops: eine Brücke bauen, um zwei Welten zu verbinden, damit Kinder und Jugendliche (türkischer Herkunft) neue eigene Wege gehen können.
Der erste Schritt: Wurzeln & Flügel
Das Kennen und bessere Verständnis der eigenen Wurzeln schafft einen neuen Blick auf die eigene Herkunft und Identität.
Dies trägt zu mehr (Selbst)Bewusstsein und einer Persönlichkeitsbildung bei.
Dadurch verbessert sich die Fähigkeit zur Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen – es gibt die Möglichkeit eines echten interkulturellen Dialogs.
Mit dieser Grundlage kann ein Miteinander und gemeinschaftliches Wirken an einer bewusst und gezielt gestalteten Zukunft realisiert werden. So werden neue Perspektiven und Möglichkeiten geschaffen, individuell und für die Gemeinschaft.
Das „flügge werden“ bzw. Flügel, im übertragenen Sinne, sind ein wesentlicher Aspekt bei der Entfaltung des eigenen Potentials, des „Erwachsen werden“.
Allerdings beeinträchtigen und behindern gerade sehr viele Erwachsene – ob Eltern, Lehrer oder andere Bezugspersonen – die Entfaltung dieser Flügel, in dem sie beispielsweise einem Kind erklären, es sei nicht in der Lage, dieses oder jenes machen oder verstehen zu können.
Doch ohne den uneingeschränkten Glauben an das Potential eines Kindes oder Jugendlichen, ohne die Anerkennung, ohne den Respekt, ohne das Vertrauen dieser wichtigen Bezugspersonen – wie sollen diese Kinder und Jugendlichen an sich selber und ihr Potential glauben und es kreativ entfalten, wie ein Vogel seine Flügel.
Der Workshop: kara kaya, ak bulut
In dem Workshop „kara kaya, ak bulut“ erfahren türkische Kinder und Jugendliche etwas über ihre Herkunft, Heimat, Kultur. Dabei entdecken sie ihre Wurzeln und bekommen ein Gefühl für sich selbst und ihre Identität.
Dazu lernen sie in verschiedenen Übungen die Weite des Himmels, die Leichtigkeit der Wolken und die Möglichkeiten des Windes im Sinne ihres eigenen Potentiales zu erkennen und dieses für ihr eigenes Leben anzuwenden, um ihre Zukunft konstruktiv und kreativ zu gestalten.
Dieser Workshop ist weder ein türkischer Heimatkundeunterricht, noch soll er dazu dienen, dass die Kinder und Jugendlichen sich differenziert fühlen. Ganz im Gegenteil: das Bewusstsein ihrer Wurzeln, ermöglicht es ihnen erst, ihre Individualität als Teil und Mitglied der Gesellschaft zu begreifen; den Bewusstseinswandel vom Ausländer, in der vermeintlichen Fremde, zum Inländer, der hier zu Hause ist, zu vollziehen; Ihr Leben als vollwertigen Teil der Gemeinschaft zu betrachten, zu fühlen, zu leben und zu entfalten.
